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04. März 2016

Vortrag: PROCARE ScienceLecture: Pflege-Management Forum Business Circle 2016, Wien

Thema: Rahmenbedingungen für die Entwicklung eines Departments für Pflegewissenschaft in NÖ

„Theorie ohne Praxis ist leer, Praxis ohne Theorie ist blind“. Mit dieser  Aussage nach Immanuel Kant wird der Leitgedanke unseres Departments für Pflegewissenschaft ausgedrückt. In anschaulicher Art und Weise formuliert der Philosoph die enge Verbundenheit von Theorie und Praxis. Die Praxis ist nie frei von theoretischen Erkenntnissen, ebenso wie sich die Theorie zumeist an den Gegebenheiten der Praxis orientiert. Beide Zugänge bedingen sich gegenseitig. Im Kontext der professionellen pflegerischen Arbeit ist ein theoretischer Fundus ebenso unabdingbar wie eine sich reflektierende Praxis. Aus der Perspektive von Praktikern werden Theorien oft als zu abstrakt empfunden, als ungeeignet um die pflegerische Wirklichkeit zu gestalten. Theorien und theoretische Ansätze tragen aber dazu bei, Zusammenhänge als solche zu erkennen, pflegerische Prozesse zu erklären und gegenwärtige Probleme zu verstehen. Oder um es erneut mit den Worten von Immanuel Kant zu sagen: „Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie“.

Die Schule für Gesundheits- und Krankenpflege Krems war in den Professionalisierungsbestrebungen jahrzehntelang führend. Neben unseren Kernaufgaben konnten wir durch einige Jahre das Kolleg für Gesundheits- und Krankenpflege, das sich ausschließlich an Maturantinnen und Maturanten richtete, durchführen. Nach Beendigung des Schulversuches waren die Vorbereitungslehrgänge zur Berufsreifeprüfung für die Akademisierungs-bestrebungen von besonderer Bedeutung. Die Berufsreifeprüfung ermöglichte vielen Schülern und diplomierten Pflegepersonen eine fundierte Allgemeinbildung und den Zugang zu einem pflegerelevanten Universitätsstudium. In diesem Zusammenhang waren die Bemühungen um eine Akademisierung der Grundausbildung von besonderer Relevanz, auch um Anschluss an internationale Entwicklungen zu finden.

Folgende Rahmenbedingungen waren für die Entwicklung eines Departments für Pflegewissenschaft (2012) grundlegend:

Ø  Beendigung der Diplomausbildung nach 50-jährigem Bestehen der Gesundheits- und Krankenpflegeschule Krems

Ø  Hochqualifizierte pflegewissenschaftliche Mitarbeiterinnen

Ø  Starke Motivation zur Entwicklung von Zukunftsperspektiven

Ø  „Mitstreiter und Fürsprecher“.

Mit März 2016 war das Department für Pflegewissenschaft des NÖGUS auch schon wieder Geschichte und wurde als „Fachbereich Pflegewissenschaft“ in die Karl Landsteiner Privatuniversität mit Standort Campus Krems eingegliedert. Mit Freude werden wir und unsere externen Mitarbeiterinnen - Expertinnen für EBN und einer Sozialwissenschaftlerin – uns neuen Aufgaben widmen. Im Besonderen natürlich den Projekten „Klinische Ethikberatung“ und „Pflegeinformationszentrum Florence“, aber auch der Grundlagenforschung und der klinischen Forschung mit dem Schwerpunkt „Pflege“, der Consultingleistungen für Dritte, der Durchführung von wissenschaftlichen Symposien und Fachvorträgen, sowie Publikationen in Fachjournalen. Das Department soll auch als Anlaufstelle für wissenschaftliche Problemlösungen in pflegerischen Belangen dienen.

Erst wenn akademisches Personal in der Praxis akzeptiert wird, die Pflege auf wissenschaftlich überprüfter Evidenz basiert und sich als eigenständige Disziplin präsentiert, ist eine Professionalisierung erreicht.